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KI & Compliance

EU AI Act Artikel 4: Was Arbeitgeber jetzt schulen müssen

Seit Februar 2025 verpflichtet Artikel 4 der KI-Verordnung Unternehmen, für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals zu sorgen – auch dann, wenn im Betrieb „nur" ChatGPT oder Microsoft Copilot genutzt wird. Was das konkret heißt und wie Sie es nachweisen.

Systemhaus Erdmann · Fachredaktion·Stand: August 2026·Lesezeit ca. 8 Min.
Das Wichtigste in Kürze
  • Artikel 4 der KI-Verordnung verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen zu ausreichender KI-Kompetenz ihres Personals.
  • Anwendbar seit dem 2. Februar 2025; das Sanktions- und Aufsichtsregime greift seit dem 2. August 2025.
  • Betroffen ist praktisch jedes Unternehmen, das ChatGPT, Microsoft Copilot oder ähnliche Werkzeuge beruflich einsetzt.
  • Es gibt keine Mindeststundenzahl und kein Pflichtzertifikat – gefordert ist ein rollenbezogenes, dokumentiertes Konzept.
  • Der Nachweis besteht aus Schulungsdokumentation, KI-Richtlinie und Verzeichnis der eingesetzten KI-Systeme.

Was Artikel 4 EU AI Act verlangt

Die Verordnung (EU) 2024/1689 – der EU AI Act – regelt in Artikel 4 die sogenannte KI-Kompetenz (englisch: AI literacy). Der Kern in einem Satz: Anbieter und Betreiber von KI-Systemen müssen nach besten Kräften sicherstellen, dass ihr Personal und alle Personen, die in ihrem Auftrag mit KI-Systemen arbeiten, über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügen.

Maßgeblich sind dabei die technischen Kenntnisse und die Erfahrung der Beschäftigten, ihre Ausbildung – und vor allem der Kontext, in dem die KI eingesetzt wird. Wer KI zur Formulierung interner Notizen nutzt, braucht ein anderes Kompetenzniveau als wer sie in der Bewerbervorauswahl oder in der Kundenkommunikation einsetzt.

Artikel 4 ist keine Empfehlung und keine Zukunftsmusik. Er gilt seit dem 2. Februar 2025 – zeitgleich mit dem Verbot bestimmter KI-Praktiken. Seit dem 2. August 2025 sind die nationalen Aufsichtsbehörden und das Sanktionsregime aktiv.

Wer ist betroffen? Anbieter und Betreiber

Der häufigste Irrtum: „Wir entwickeln keine KI, also betrifft uns das nicht." Die Verordnung unterscheidet zwei Rollen – und die zweite trifft fast jeden:

RolleDefinitionBeispiele im Mittelstand
AnbieterEntwickelt ein KI-System oder bringt es unter eigenem Namen auf den MarktSoftwarehaus mit eigenem KI-Modul; Unternehmen, das einen eigenen Chatbot veröffentlicht
BetreiberSetzt ein KI-System in eigener Verantwortung beruflich einNutzung von Microsoft Copilot, ChatGPT, KI-Telefonassistent, KI-gestützte Übersetzung, KI im Bewerbermanagement

Sobald ein Mitarbeitender ein KI-Werkzeug beruflich nutzt – auch die kostenlose Variante, auch „nur mal schnell" – ist Ihr Unternehmen Betreiber. Und die Schulungspflicht greift. Erfahrungsgemäß ist der Einsatz im Betrieb ohnehin breiter, als die Geschäftsführung vermutet: Der erste Schritt ist deshalb fast immer eine Bestandsaufnahme, welche Werkzeuge tatsächlich genutzt werden.

Was „ausreichende KI-Kompetenz" konkret bedeutet

Die Verordnung nennt bewusst keine Stundenzahl und kein Zertifikat. Sie verlangt Angemessenheit. Übersetzt in die Praxis heißt das: Ihre Beschäftigten müssen KI-Ergebnisse einordnen, hinterfragen und verantworten können. Konkret:

  • Sie verstehen, dass generative KI Inhalte plausibel erfindet (Halluzination) und Ergebnisse deshalb geprüft werden müssen.
  • Sie wissen, welche Daten sie nicht eingeben dürfen – Personendaten, Betriebsgeheimnisse, Mandanten- und Patientendaten.
  • Sie kennen die Grenzen zwischen zulässiger Unterstützung und unzulässiger Automatisierung von Entscheidungen über Menschen.
  • Sie erkennen Verzerrungen (Bias) und wissen, wo diese im eigenen Anwendungsfall Schaden anrichten können.
  • Sie kennen die Kennzeichnungs- und Transparenzpflichten, wenn KI-Inhalte nach außen gehen.
  • Sie wissen, an wen sie sich im Zweifelsfall wenden.

Drei Rollen, drei Schulungstiefen

Ein tragfähiges Konzept unterscheidet nach Rolle statt alle gleich zu behandeln:

ZielgruppeInhalteUmfang
Alle Beschäftigten, die KI nutzenGrundlagen, Halluzinationen, Datenschutzregeln, interne KI-Richtlinie, MeldewegeGrundschulung, jährliche Auffrischung
Intensivnutzer und FachverantwortlichePrompting, Ergebnisprüfung, Bias, Dokumentation, Grenzen des jeweiligen WerkzeugsVertiefung je Fachbereich
Geschäftsführung, IT und DatenschutzRollen nach AI Act, Risikoklassen, Verzeichnis der KI-Systeme, Zusammenspiel mit DSGVO und NIS2, HaftungFührungs- und Verantwortlichenschulung

Pflichtinhalte einer AI-Act-Schulung

  • Rechtsrahmen: Was der EU AI Act regelt, welche Risikoklassen es gibt und wo das eigene Unternehmen einzuordnen ist.
  • Verbotene Praktiken: unter anderem Emotionserkennung am Arbeitsplatz, Social Scoring, manipulative Systeme.
  • Funktionsweise und Grenzen generativer KI – verständlich, ohne Mathematik.
  • Datenschutz: Was in ein KI-Werkzeug eingegeben werden darf und was nicht, Auftragsverarbeitung, Speicherorte.
  • Betriebliche Regeln: die eigene KI-Richtlinie, freigegebene Werkzeuge, Freigabeprozess für neue Tools.
  • Transparenz: Kennzeichnung KI-generierter Inhalte gegenüber Kunden und Öffentlichkeit.
  • Praxisfälle aus dem eigenen Betrieb – das ist der Teil, der hängen bleibt.

Fristen im Überblick

DatumWas gilt
2. Februar 2025Artikel 4 (KI-Kompetenz) und die Verbote bestimmter KI-Praktiken sind anwendbar
2. August 2025Regeln für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck, Governance-Strukturen und nationales Sanktionsregime
2. August 2026Allgemeine Anwendbarkeit der Verordnung, einschließlich der Pflichten für Hochrisiko-Systeme nach Anhang III
2. August 2027Pflichten für Hochrisiko-KI in regulierten Produkten

Für die meisten mittelständischen Unternehmen ist die entscheidende Zeile die erste – und sie liegt in der Vergangenheit.

In fünf Schritten zur Konformität

  • 1. Bestandsaufnahme. Welche KI-Werkzeuge werden im Betrieb tatsächlich genutzt – auch inoffiziell? Ergebnis ist ein Verzeichnis der KI-Systeme mit Zweck, Anbieter und Datenfluss.
  • 2. Rollen und Risiko klären. Sind Sie Anbieter, Betreiber oder beides? Fällt eine Anwendung in eine höhere Risikoklasse – etwa im Personalbereich?
  • 3. KI-Richtlinie erstellen. Ein bis zwei Seiten in klarer Sprache: freigegebene Werkzeuge, verbotene Eingaben, Prüfpflicht für Ergebnisse, Ansprechpartner. Bei bestehendem Betriebsrat ist die Mitbestimmung zu beachten.
  • 4. Schulen und dokumentieren. Rollenbezogen nach dem Modell oben – mit Datum, Inhalten und Teilnehmerliste. Ohne Dokumentation gilt die Schulung im Zweifel als nicht erfolgt.
  • 5. Aktuell halten. Neue Werkzeuge, neue Anwendungsfälle, neue Fristen: einmal jährlich auffrischen und das Verzeichnis fortschreiben.

Zusammenspiel mit DSGVO, NIS2 und Awareness

Die KI-Schulung ersetzt keine Datenschutzunterweisung und keine Security-Awareness – sie ergänzt sie. Wo NIS2 organisatorische Sicherheitsmaßnahmen und Schulungen verlangt, lassen sich die Nachweise sinnvoll zusammenführen. Und weil KI-gestützte Angriffe – überzeugendes Phishing, Stimm-Deepfakes im CEO-Fraud – gerade rasant besser werden, gehört das Thema ohnehin in dieselbe Awareness-Kampagne.

KI-Schulung für Unternehmen in Solingen, Bergisches Land und Rheinland

Wir schulen KI-Kompetenz praxisnah und an Ihren eigenen Anwendungsfällen – vor Ort in Solingen, Wuppertal, Remscheid, Leverkusen, Düsseldorf und Köln oder online. Sie erhalten Teilnahmedokumentation und eine Musterrichtlinie, die Sie direkt übernehmen können.

Der ehrlichste Grund, das Thema jetzt anzugehen, ist nicht die Verordnung: Beschäftigte nutzen KI längst. Die Frage ist nur, ob sie es nach Regeln tun, die Ihr Unternehmen gesetzt hat.

Häufige Fragen

EU AI Act Artikel 4 – Fragen & Antworten

Was verlangt Artikel 4 des EU AI Act genau?+
Anbieter und Betreiber von KI-Systemen müssen nach besten Kräften sicherstellen, dass ihr Personal und andere Personen, die in ihrem Auftrag KI-Systeme betreiben oder nutzen, über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügen. Berücksichtigt werden dabei technische Kenntnisse, Erfahrung, Ausbildung sowie der Kontext, in dem die Systeme eingesetzt werden.
Gilt die Schulungspflicht auch, wenn wir nur ChatGPT oder Copilot nutzen?+
Ja. Die Pflicht trifft nicht nur Entwickler von KI, sondern jeden Betreiber – also jedes Unternehmen, das ein KI-System beruflich einsetzt. Wer Microsoft Copilot, ChatGPT, ein KI-Übersetzungswerkzeug oder einen KI-Telefonassistenten im Arbeitsalltag nutzt, ist Betreiber im Sinne der Verordnung.
Seit wann gilt Artikel 4?+
Artikel 4 ist seit dem 2. Februar 2025 anwendbar – gemeinsam mit den Verboten bestimmter KI-Praktiken. Die Aufsichtsstrukturen und das Sanktionsregime der Mitgliedstaaten greifen seit dem 2. August 2025. Unternehmen, die bis heute nicht geschult haben, sind bereits im Verzug.
Wie viele Stunden Schulung sind vorgeschrieben?+
Die Verordnung nennt keine Mindeststundenzahl und kein Zertifikat. Gefordert ist ein angemessenes, rollenbezogenes Kompetenzniveau. In der Praxis bedeutet das: eine Grundschulung für alle Beschäftigten, die KI nutzen, vertiefende Einheiten für intensive Anwender und Verantwortliche – und eine schriftliche Dokumentation.
Wie weisen wir die KI-Kompetenz nach?+
Über drei Belege: eine dokumentierte Schulungsmaßnahme mit Inhalten, Datum und Teilnehmerliste, eine interne KI-Richtlinie mit Regeln für den zulässigen Einsatz, und ein Verzeichnis der eingesetzten KI-Systeme. Diese Unterlagen sollten Sie vorlegen können, wenn Aufsicht, Kunde oder Versicherer fragt.
Was passiert bei Verstößen gegen die Schulungspflicht?+
Für Artikel 4 ist keine eigene Bußgeldhöhe festgelegt; sanktioniert wird über das nationale Sanktionsregime der Mitgliedstaaten. Praktisch relevanter ist die Nebenwirkung: Fehlt die Schulung, verschieben sich Haftungsfragen bei Datenschutzverstößen, fehlerhaften KI-Ergebnissen und arbeitsrechtlichen Konflikten zulasten des Unternehmens.

Fragen zu Ihrer IT? Wir beraten Sie.

Kostenlos und unverbindlich – als Ihr IT-Systemhaus aus Solingen für das Bergische Land und das Rheinland.

So setzen wir das um

Die Pflichtschulung nach Artikel 4 decken wir mit der KI EU AI Act Schulung ab – inklusive Teilnahmenachweis und Musterrichtlinie. Für die Anwenderebene folgt die KI Prompt Schulung, für Sicherheitsthemen wie Phishing und Deepfakes die Awareness-Kampagne. Wer KI produktiv einsetzen will, findet in KI und Automatisierung und der KI-Plattform Sidekick 2.0 den DSGVO-konformen Weg.