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Microsoft 365 · IT-Kosten

Microsoft 365 Lizenz-Check: Wo im Abo Geld verschwindet

Kaum ein Unternehmen weiß auf Anhieb, wie viele Microsoft-365-Lizenzen es hält, welcher Typ zugewiesen ist und wer davon tatsächlich arbeitet. Genau in dieser Lücke entstehen Kosten, die niemand bemerkt – Monat für Monat. Was ein Lizenz-Check prüft, was er typischerweise findet und wie Sie die Kontrolle behalten.

Von Tobias Erdmann, Geschäftsführer·Stand: August 2026·Lesezeit ca. 9 Min.
Das Wichtigste in Kürze
  • Die vier häufigsten Fundstellen: Lizenzleichen, zu hohe Lizenzstufe, doppelt gekaufte Funktionen und ungenutzte Add-ons.
  • Der Jahresvertrag ist die eigentliche Falle: Reduzieren lässt sich nur zum Verlängerungstermin – wer den verpasst, zahlt zwölf Monate weiter.
  • Für einen belastbaren Überblick braucht es keine Zusatzsoftware. Admin-Center, Nutzungsberichte und PowerShell genügen.
  • Entscheidend ist nicht der einmalige Fund, sondern der wiederkehrende Termin – sonst ist derselbe Betrag in zwei Jahren wieder da.

Warum die Kosten unbemerkt wachsen

Microsoft 365 ist gut darin, mitzuwachsen. Ein neuer Kollege, eine Lizenz dazu – das dauert zwei Minuten und braucht keine Freigabe. Rückwärts funktioniert es nicht genauso einfach: Der Entzug einer Lizenz ist technisch ebenso schnell erledigt, nur denkt beim Austritt niemand daran, weil die Aufgabe zwischen Personalabteilung und IT liegt.

Dazu kommt die Vertragslogik. Die meisten Unternehmen buchen im Jahresabonnement, weil es günstiger ist als die monatliche Variante. Die Zahl der Plätze lässt sich damit aber nur zum Verlängerungstermin nach unten anpassen. Wer im Februar zehn überzählige Lizenzen entdeckt und im April verlängert hat, zahlt sie bis zum nächsten April – ein Fund ohne Wirkung.

Der dritte Grund ist der unübersichtlichste: Die Lizenzstufen überschneiden sich. Funktionen, die in einer Stufe enthalten sind, werden parallel als Einzelprodukt eingekauft, weil in der IT niemand den vollständigen Leistungsumfang der eigenen Lizenz im Kopf hat. Das ist kein Vorwurf – Microsoft ändert die Zuschnitte regelmäßig.

Lizenzkosten sind die einzige IT-Position, die von allein wächst und nie von allein schrumpft.

Die sechs häufigsten Fundstellen

Aus der Praxis: Das ist die Reihenfolge, in der sich Einsparungen typischerweise finden lassen – von der leichtesten Prüfung zur aufwendigsten.

01
Lizenzleichen

Die Lizenz läuft weiter, die Person ist längst weg. Entsteht, weil das Offboarding beim Personalgespräch endet und niemand die Zuweisung im Tenant entfernt. Typischer Fund: 3 bis 8 Prozent der Lizenzen.

02
Zu hohe Lizenzstufe

E5 für alle, weil eine Abteilung eine E5-Funktion braucht. Oder Business Premium für Beschäftigte, die nur Postfach und Dateiablage nutzen. Der Unterschied je Nutzer und Monat ist zweistellig.

03
Doppelt gekaufte Funktionen

Ein separates Archivierungs-, Virenschutz- oder MDM-Produkt, dessen Leistung in der gebuchten Lizenzstufe längst enthalten ist. Fällt nur auf, wenn man beide Verträge nebeneinanderlegt.

04
Ungenutzte Add-ons

Telefonie-Add-ons ohne Rufnummern, Copilot-Lizenzen ohne Nutzung, Power-Plattform-Kapazitäten aus einem eingestellten Projekt. Einmal gebucht, nie wieder angesehen.

05
Falsch zugeordnete Nutzer

Externe, Dienstkonten und Funktionspostfächer mit voller Nutzerlizenz. Für gemeinsame Postfächer und Raumressourcen ist keine Lizenz nötig.

06
Übersehene Rabattpfade

Non-Profit-, Bildungs- oder Frontline-Tarife, die für Teile der Belegschaft passen würden. Frontline-Lizenzen sind für Beschäftigte ohne festen Arbeitsplatz oft die richtige Wahl.

Business Premium, E3 oder E5 – was wofür

Die Stufenwahl ist der größte einzelne Hebel, und sie wird fast immer zu grob getroffen: eine Stufe für das gesamte Unternehmen. Sinnvoll ist eine Zuordnung nach Rolle.

StufePasst fürGrenze
Business BasicBeschäftigte, die im Browser arbeiten – Postfach, Teams, DateiablageKeine Desktop-Office-Apps
Business StandardDer Regelfall im Büro: Office lokal installiertBis 300 Nutzer
Business PremiumWo Geräteverwaltung und erweiterter Schutz gebraucht werdenBis 300 Nutzer
E3Über 300 Nutzer oder erhöhte Compliance-AnforderungenSicherheitsfunktionen begrenzt
E5Wo Sicherheits- und Analysewerkzeuge wirklich betrieben werdenDeutlich teurer, oft ungenutzt
Frontline (F-Reihe)Beschäftigte ohne festen Arbeitsplatz – Produktion, Lager, ServiceEingeschränkter Funktionsumfang

Die häufigste Fehlentscheidung ist E5 für alle, weil eine einzelne Abteilung eine E5-Funktion benötigt. Wirtschaftlich richtig ist die gemischte Zuweisung – technisch ist sie im selben Tenant problemlos möglich.

So läuft ein Lizenz-Check ab

Fünf Schritte, in dieser Reihenfolge. Für ein Unternehmen mit 50 bis 150 Nutzern ist das ein halber bis ganzer Tag.

01
Bestand aufnehmen

Welche Abonnements laufen, wie viele Plätze sind gebucht, wie viele davon zugewiesen. Der Unterschied zwischen gebucht und zugewiesen ist die erste Zahl, die überrascht.

02
Nutzung auswerten

Die Nutzungsberichte zeigen je Dienst, wer sich in den letzten 30, 90 und 180 Tagen tatsächlich angemeldet hat. Wer nirgends auftaucht, kostet trotzdem.

03
Bedarf je Rolle klären

Nicht je Person, sondern je Rolle: Was braucht die Fertigung, was der Vertrieb, was die Geschäftsführung. Daraus entsteht ein Lizenzmodell mit zwei bis drei Stufen statt einer für alle.

04
Verträge gegenlesen

Laufzeiten, Verlängerungstermine und parallel laufende Fremdprodukte. Hier entscheidet sich, was sich sofort ändern lässt und was erst zum Stichtag.

05
Umstellen und festhalten

Änderungen durchführen, Ergebnis dokumentieren – und den nächsten Prüftermin setzen, bevor die Unterlagen zugeklappt werden.

Selbstcheck: sechs Fragen

Ehrlich beantworten. Jedes „Nein" ist eine Stelle, an der Geld unbemerkt abfließen kann.

  • 01 Sie wissen ohne Nachsehen, wie viele Microsoft-365-Lizenzen aktuell zugewiesen sind.
  • 02 Sie können sagen, welche Lizenzstufen im Einsatz sind und warum je Rolle diese und keine andere.
  • 03 In den letzten sechs Monaten wurde geprüft, ob ausgeschiedene Beschäftigte noch Lizenzen halten.
  • 04 Sie kennen den Verlängerungstermin Ihres Microsoft-Vertrags.
  • 05 Sie könnten der Geschäftsführung ohne Vorbereitung den Betrag je Nutzer und Monat nennen.
  • 06 Es gibt einen festen Termin, an dem die Lizenzen regelmäßig überprüft werden.
0–2 × Ja

Sehr wahrscheinlich zahlen Sie deutlich zu viel. Eine Prüfung lohnt sich sofort.

3–4 × Ja

Grundlagen stehen, im Detail ist meist noch etwas zu holen.

5–6 × Ja

Gut aufgestellt. Dann geht es um den Termin, der das so hält.

Der Fehler, der alles zurückdreht

Der häufigste Fehler beim Lizenzmanagement ist nicht die falsche Stufe. Es ist die Annahme, ein Check sei ein Projekt. Wer einmal aufräumt und dann nichts ändert, hat nach zwei Jahren denselben Betrag wieder im Vertrag – weil Ein- und Austritte weiterlaufen und die Ursache unangetastet blieb.

Dauerhaft wirkt nur die Verankerung im Prozess: Lizenzentzug als fester Schritt im Offboarding, Lizenzstufe als Feld im Onboarding, ein Prüftermin im Kalender und ein Vermerk, wann der Vertrag verlängert wird. Das ist unspektakulär und genau deshalb wirksam.

Zum Lizenzentzug gehört außerdem eine Entscheidung, die gern übersehen wird: Postfächer werden 30 Tage nach Entzug gelöscht, OneDrive-Daten je nach Regel nach 30 bis 93 Tagen. Wer Korrespondenz aufbewahren muss, braucht dafür eine Lösung außerhalb der Lizenz – über E-Mail-Archivierung oder Managed M365-Backup. Sonst spart man an der Lizenz und verliert an der Aufbewahrungspflicht.

Und eine Einschränkung gehört dazu: Sparen ist nicht immer die richtige Antwort. Manchmal zeigt ein Check, dass eine höhere Stufe die günstigere Entscheidung ist – etwa wenn dadurch ein separates Virenschutz- oder Archivierungsprodukt entfällt. Der Punkt ist nicht der niedrigste Betrag, sondern die begründete Zuordnung.

Wir schauen uns Ihre Lizenzen an.

Bestand, Nutzung und Vertragslage – anschließend wissen Sie, wo Sie stehen und was sich lohnt. Erstreaktion unter 1 Stunde in der Servicezeit Mo–Do 8–17 Uhr, Fr 8–16 Uhr.

Häufige Fragen

Lizenz-Check – Fragen & Antworten

Wie oft sollte man Microsoft-365-Lizenzen prüfen?+
Mindestens zweimal jährlich, besser quartalsweise – und zusätzlich immer vor der Vertragsverlängerung. Der Grund ist der Jahresvertrag: Wer eine Lizenz im Januar reduzieren möchte, den Vertrag aber im März verlängert hat, zahlt sie elf Monate weiter.
Was sind Lizenzleichen?+
Lizenzen, die noch zugewiesen und bezahlt werden, obwohl die Person nicht mehr im Unternehmen ist oder das Konto nicht mehr genutzt wird. Sie entstehen, weil Offboarding-Prozesse an der Personalabteilung enden und die Lizenzzuweisung im Tenant unangetastet bleibt.
Was ist der Unterschied zwischen Business Premium, E3 und E5?+
Business Premium ist auf Unternehmen bis 300 Nutzer begrenzt und enthält Geräteverwaltung und erweiterten Bedrohungsschutz. E3 hebt diese Grenze auf und bringt Enterprise-Funktionen für Compliance und Archivierung. E5 ergänzt vor allem Sicherheits- und Analysewerkzeuge sowie Telefonie – Funktionen, die im Mittelstand oft gekauft, aber selten eingerichtet werden.
Kann man von E5 auf E3 zurückwechseln?+
Ja, technisch jederzeit – wirtschaftlich zum Ende der Vertragslaufzeit. Vor dem Wechsel muss geprüft werden, welche E5-Funktionen tatsächlich aktiv konfiguriert sind: Wer beispielsweise Teams-Telefonie über E5 betreibt, braucht dafür anschließend eine Zusatzlizenz.
Lohnt sich ein Lizenz-Check auch bei wenigen Nutzern?+
Bei zehn Nutzern ist der absolute Betrag klein, der relative Anteil aber oft groß – gerade wenn eine zu hohe Stufe für alle gebucht wurde. Ab etwa 25 Nutzern lohnt sich die Prüfung in nahezu jedem Fall.
Braucht man dafür zusätzliche Software?+
Nein. Die Grundlagen liefern das Microsoft-365-Admin-Center und die Nutzungsberichte, ergänzt um PowerShell-Abfragen für die Zuweisungen. Zusatzwerkzeuge beschleunigen die Auswertung, sind für einen ersten belastbaren Überblick aber nicht nötig.
Was passiert mit den Daten, wenn eine Lizenz entzogen wird?+
Das Postfach wird nach 30 Tagen gelöscht, OneDrive-Daten je nach Aufbewahrungsregel nach 30 bis 93 Tagen. Deshalb gehört zum Lizenzentzug immer die Frage, was mit den Daten geschieht – ein archiviertes Postfach oder eine unabhängige Sicherung löst das dauerhaft und lizenzfrei.
Was kostet ein Lizenz-Check bei Systemhaus Erdmann?+
Für bestehende Betreuungskunden ist die Prüfung Teil der regelmäßigen Betreuung. Für alle anderen kalkulieren wir sie nach Nutzerzahl als überschaubaren Festpreis – und sagen im Vorgespräch offen, ob sich der Aufwand bei Ihrer Größe überhaupt rechnet.
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Wie Microsoft 365 sauber eingerichtet und betrieben wird, steht unter Microsoft 365 & Modern Workplace. Was die Lizenz beim Thema Sicherung nicht abdeckt, erklärt Microsoft 365 Backup. Für die Aufbewahrung von Korrespondenz gibt es E-Mail-Archivierung, für den planbaren Betrieb der Arbeitsplätze Managed Client. Wie sich IT-Kosten je Arbeitsplatz insgesamt zusammensetzen, rechnet der Ratgeber IT-Kosten pro Arbeitsplatz durch.